Zukunftsfähige Schorfheide-Chorin

Ein Studierendenprojekt der Technischen Universität Berlin

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 +1. Keine Armut
 +====== Der Beitrag von deutschen Biosphärenreservaten zum Erreichen des UN-Nachhaltigkeitsziels „Keine Armut“ ======
 +P. Frielinghaus\\
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 +Einleitung Im Jahr 2015 beschlossen die Vereinten Nationen 17 Nachhaltigkeitsziele als Zukunftsvision. Sie vereinen die drei Säulen der Nachhaltigkeit (Ökologie, Ökonomie und Soziales) und fordern weltweite Solidarität bei ihrer Umsetzung. Zwei Jahre später aktualisierte Deutschland seine Nachhaltigkeitsstrategie um den neuen Zielen gerecht zu werden. Im Rahmen des Projekts „Zukunftsfähige Schorfheide-Chorin“ wird nun untersucht, ob und in wie fern deutsche Biosphärenreservate ihren Teil zum ersten Nachhaltigkeitsziel „keine Armut“ beitragen. Armut bezeichnet die Unfähigkeit menschliche Grundbedürfnisse zu befriedigen (BMZ). Allerdings wird unter absoluter und relativer Armut unterschieden. Absolut Arm ist, laut der Weltbank, wer ein Einkommen von weniger als 1,25 US Dollar (1 Euro) pro Tag hat. Diese Armut betrifft knapp eine Milliarden Menschen weltweit (World Bank, 2017) und bezeichnet ein Leben am Existenzminimum. In sogenannten Wohlstandgesellschaften wie Deutschland hingegen spricht man von relativer Armut“. Darunter versteht man eine Unterversorgung an materiellen und immateriellen Gütern, sowie eine Einschränkung der Lebenschancen im Vergleich zum Wohlstand der restlichen Gesellschaft. Wie die Zeit Online im Juli 2017 berichtet, gilt als armutsgefährdet wem in einem Haushalt weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung stehen. In Deutschland entspricht das weniger als 869 Euro pro Monat für Alleinstehende. Diese relative Armut trifft auf 9,6 Prozent der deutschen Bevölkerung zu.\\
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 +Naturkapital In diesem Kontext geht es beim Begriff der Armut nicht um eine lebensbedrohliche Armut, sondern um Rechte auf wirtschaftliche Ressourcen, sowie den „Zugang zu grundlegenden Diensten, Grundeigentum und Verfügungsgewalt über Grund und Boden (…) und natürlichen Ressourcen“ (Vereinte Nationen, 2015). Es geht also neben dem Vorhandensein von finanziellen Mitteln, auch um die Möglichkeit über Grundeigentum zu verfügen oder um den Zugang zu natürlichen Ressourcen zu gewährleisten. In dieser Hinsicht ist zu sagen, dass ein Biosphärenreservat beste Voraussetzung liefert Armut entgegenzuwirken. Die Naturgüter in Biosphärenreservaten sind zwar, bis auf solche in den Kernzonen in denen ein Betretungsverbot herrscht, jedem zugänglich, allerdings kann aus ihnen kein direkter wirtschaftlicher Nutzen gezogen werden, wenn einem der Grund und Boden nicht gehört. Trotzdem bereichern die Natur und Naturlandschaften der Schutzgebiete die Menschen hinsichtlich ihrer Ökosystemleistungen. So besitzt die Natur mit ihren kulturellen Leistungen ein hohes Naturkapital, welches für jeden in Form von Erholung, Ästhetik, Gefühlen oder Erfahrungen kostenlos aufgenommen werden kann.\\
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 +Schaffung von Arbeitsplätzen Bezüglich der UN-Nachhaltigkeitsziele wird im deutschen Agenden meist nicht von „keiner Armut“ gesprochen, sondern von Wohlstandsförderung. So schreibt die Bundesregierung auf ihrer Website gemäß der UN-Nachhaltigkeitsziele, dass „Nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum (…) eine Basis des Wohlstands in Deutschland“ sei. Demnach scheint ein Biosphärenreservat, welches sich ja durch nachhaltiges, innovatives Wirtschaften definiert, eine geeignete Option zur Förderung des Wohlstands zu sein. Biosphärenreservate bieten eine Vielzahl an Arbeitsplätzen in allen drei Wirtschaftssektoren (Primärsektor, Industrieller Sektor, Dienstleistungssektor). Insbesondere im innovativen Bereich gewinnen Biosphärenreservate an Bedeutung, da Forschungen und nachhaltige Entwicklungen immer weitere Optionen bilden. So hat beispielsweise das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin im Norden Brandenburgs das Ziel die E-Mobilität und eine dementsprechende Infrastruktur auszuweiten. Eine solche Nachhaltigkeitspolitik setzt wirtschaftliche Potenziale frei und fördert Arbeitsplätze, welche Grundlage sind, dass keine Armut vorherrscht oder erst entsteht.\\
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 +Altersarmut Ein weiterer Aspekt, bei dem Armut in Deutschland eine zunehmend große Rolle spielt ist die Altersarmut. „2006 waren 10,3 Prozent der Rentner von Armut betroffen, heute sind es schon 15,6 Prozent. Das ist eine Steigerung von 51 Prozent.“ recherchierte Nicole Ficociello 2017 für eine ARD-Reportage. Ein politisches Konzept diesen Trend der Altersarmut zu stoppen, gibt es bislang nicht. Auch wenn es nicht unbedingt zum Themenspektrum eines Biosphärenreservats gehört, sollte jede Institution und somit auch ein Schutzgebiet ihren Teil zur Erfüllung der UN-Nachhaltigkeitsziele beitragen. Die Altersarmut wird hierbei jedoch meist außen vor gelassen.\\
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 +Beispiel Nachdem einige Möglichkeiten erläutert wurden wie Biosphärenreservate Armut entgegenwirken, folgt nun die Vorstellung einer gelungenen Interpretation der Armutsbekämpfung innerhalb des BR Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Unter dem Motto „genialsozial – Deine Arbeit gegen Armut“ unterstützt die Sächsische Jugendstiftung Schüler und Schülerinnen, welche für einen Tag im Jahr im Biosphärenreservat Landschaftspflege betreiben können. Der erwirtschaftete Lohn kommt Projekten der Entwicklungszusammenarbeit oder eigenen sozialen Projekten in der Schule oder im Umfeld zugute. (BR Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, 2017) Durch die Landschaftspflege bleibt eine Kulturlandschaft erhalten, welche beispielsweise als Habitat für bodenbrütenden Vögeln dient. Projekte wie diese fördern einerseits das Bewusstsein für Natur und Umwelt, geben Einblicke in Arbeitsbereiche im Schutzgebiet und sichern naturschutzrelevante Schutzräume. Andererseits fördern sie durch die wirtschaftlichen Erträge, soziale Projekte und können so der Armut entgegenwirken.\\
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 +Fazit Eine deutsche Schutzgebietsausweisung, wie die des Biosphärenreservats ist eigentlich nicht dafür ausgelegt, die Armut zu bekämpfen, allerdings wird von den Vereinten Nationen, wie bereits erwähnt, eine Solidarität von allen Institutionen gefordert, jedes der Nachhaltigkeitsziele zu verfolgen. Es ist zu sagen, dass Biosphärenreservate im Rahmen der Möglichkeiten durchaus Potenziale zur Armutsbekämpfung haben - insbesondere hinsichtlich des Naturkapitals und der Schaffung von Arbeitsplätzen. Nachholbedarf besteht sowohl bei der rein wirtschaftlichen Unterstüzung von „Armen“ und bei der Bekämpfung von Altersarmut. Abschließend ist zu sagen, dass es durchaus Ansätze zur Verwirklichung des Ziels „keine Armut“ gibt. Angesprochene Projekte, wie jenes im BR Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, gehören allerdings noch zu Einzelfällen und sollten auf Grund all ihrer positiven Effekte im Kampf gegen die Armut populärer und mehr gefördert werden.\\
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 +===== Literaturverzeichnis =====
 +BR OBERLAUSITZER HEIDE- UND TEICHLANDSCHAFT. (2017). VON HTTP://WWW.BIOSPHAERENRESERVAT-OBERLAUSITZ.DE/DE/CONTENT/TAUSCHE-SCHULBANK-GEGEN-JOB-GENIAL-SOZIALE-AKTION-IM-UNESCO-BIOSPHÄRENRESERVAT-OBERLAUSITZER ABGERUFEN AM 26.11.2017 UM 17:00\\
 +FICOCIELLO, N. (2017). DASERSTE.DE. VON HTTP://WWW.DASERSTE.DE/UNTERHALTUNG/FILM/THEMENABEND-ARMUT-UND-VERSCHULDUNG/ALTERSARMUT-URSACHE-TIPPS-100.HTML ABGERUFEN AM 26.11.2017 UM 17:00\\
 +GRIMM, K. (FEBRUAR 2017). STERN.DE. VON HTTPS://WWW.STERN.DE/WIRTSCHAFT/GELD/MITTELSCHICHT-ALS-ILLUSION--WANN-IST-MAN-OFFIZIELL-ARM--7305054.HTML ABGERUFEN AM 25.11.2017 UM 16:00\\
 +SÄCHSISCHE JUGENDSTIFTUNG. (2017). BIOSPHAERENRESERVAT-OBERLAUSITZ.DE. VON HTTP://WWW.BIOSPHAERENRESERVAT-OBERLAUSITZ.DE/DE/CONTENT/TAUSCHE-SCHULBANK-GEGEN-JOB-GENIAL-SOZIALE-AKTION-IM-UNESCO-BIOSPHÄRENRESERVAT-OBERLAUSITZER ABGERUFEN AM 26.11.2017 UM 17:00 \\
 +VEREINTE NATIONEN. (2015). UN - NACHHALTIGKEITSZIELE, KEINE ARMUT. VON HTTP://WWW.GLOBALGOALS.ORG/DE/GLOBAL-GOALS/NO-POVERTY/ ABGERUFEN AM 26.11.2017 UM 17:00 \\
 +ZEIT ONLINE. (2017). VON HTTP://WWW.ZEIT.DE/WIRTSCHAFT/2017-07/ARMUT-ERWERBSTAETIGE-DEUTSCHLAND-HANS-BOECKLER-STIFTUNG ABGERUFEN AM 26.11.2017 UM 17:00
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