Zukunftsfähige Schorfheide-Chorin

Ein Studierendenprojekt der Technischen Universität Berlin

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vertiefung:zukunftsvision:das_brsc_im_jahre_2040

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 +====== Das Biosphärenreservat im Jahre 2040 ======
  
 +
 +Schlagzeile: Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin verlangt Eintritt von Besuchern – bleibt die Naturerfahrung in Zukunft der Elite vorbehalten? \\
 +{{:vertiefung:zukunftsvision:talkshow_symbol.png?direct&400|}}\\
 +Moderator:\\
 +Guten Abend meine Damen und Herren,\\
 +in den letzten Tagen geriet das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin von Seiten der Bevölkerung und vor allem der Presse in heftige Kritik. Renommierte Zeitschriften wie der
 +Spiegel titelten zum Beispiel: „Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin verlangt Eintritt von
 +Besuchern – bleibt die Naturerfahrung in Zukunft der Elite vorbehalten?“
 +Grund für die Aufregung war eine Pressemitteilung mit dem das Biosphärenreservat vor
 +wenigen Tagen, nämlich am 24.7.2040 an die Öffentlichkeit ging in der sie erklärten, dass
 +Besucher in Zukunft 100 Euro Eintritt zahlen müssen, um das Biosphärenreservat betreten
 +zu dürfen. Grund dafür sei das seit Jahren steigende Besucheraufkommen. Das Biosphärenreservat
 +habe durch den Klimawandel, der steigenden Bevölkerungszahl und der damit
 +notwendigen Intensivierung der Landwirtschaft schon genug gelitten und müsse geschützt
 +werden. \\
 +Wir haben heute die Leiterin des Biosphärenreservats Frau Mehrabiy-Pari eingeladen, um
 +mit ihr über diesen Konflikt und auch über die Entwicklung des Biosphärenreservates in den
 +letzten Jahrzehnten zu sprechen.
 +Guten Abend Frau Mehrabiy-Pari, vielen Dank, dass Sie sich heute die Zeit genommen haben,
 +um mit uns zu sprechen. Wie geht es Ihnen mit den ganzen negativen Schlagzeilen
 +rund um das Biosphärenreservat und können Sie den Unmut der Bevölkerung verstehen?“\\
 +\\
 +Gast:\\
 +Guten Abend, und vielen Dank für die Einladung. Ich bedaure natürlich die negative Resonanz
 +die wir erfahren, aber ich kann es auch verstehen. Wir hätten es auch gerne anders
 +gehabt, aber wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir so handeln mussten, wenn
 +wir das Biosphärenreservat erhalten wollen.\\
 +\\
 +Moderator:\\
 +Wie ich eingangs schon kurz erwähnt hatte, haben wir seit einigen Jahren einen erschreckenden
 +Rückgang von Biosphärenreservaten erfahren. Im Jahre 2016, also vor 24 Jahren,
 +gab es noch 16 Biosphärenreservate in Deutschland, heute sind es nur noch 10. Die Orte an
 +denen Menschen und besonders Kinder Natur erfahren können nehmen immer weiter ab.
 +Und obwohl die Naturerfahrung so wichtig ist, machen Sie das Biosphärenreservat durch
 +den hohen Preis nur noch für wenige Menschen zugänglich. Wie rechtfertigen Sie den Preis
 +von 100 Euro?\\
 +\\
 +{{:vertiefung:zukunftsvision:kuppel.png?direct&400 |}}Gast:\\
 +Der Erhalt des Biosphärenreservats ist zunehmend teurer geworden, da wir mit vielen negativen
 +Umwelteinflüssen zu kämpfen haben. Unser Ziel war und ist es, das Biosphärenreservat
 +zumindest in Teilen so zu erhalten, wie es einmal war. Das wäre ohne sehr aufwändige
 +und kostenintensive Maßnahmen jedoch nicht möglich gewesen. Der Klimawandel hat
 +Deutschland in den letzten Jahren verändert. Unsere Landschaft, unsere Böden werden
 +sich immer weiter verändern. Um die historische Landschaft zumindest in Teilen aufrecht
 +zu erhalten, wurde vor etwa sieben Jahren die Entscheidung getroffen, um die wichtigsten
 +Kernzonen und die darum liegenden Pufferzonen riesige Glaskuppeln zu bauen, die einen
 +Gewächshauscharakter haben in dem wir das frühere Klima simulieren können.
 +Das Projekt wurde vor gut einem halben Jahr beendet und nun stehen drei Kuppeln im Biosphärenreservat.
 +Zwar wurde das Projekt vom Staat subventioniert, allerdings waren die
 +Kosten trotzdem enorm. Und durch den Betrieb, das heißt zum Beispiel durch die künstliche
 +Beregnung und Belüftung fallen stetig weiter Kosten an. Durch das Eintrittsgeld erhoffen
 +wir uns einen Teil der Kosten wieder reinzubekommen. Noch dazu wollen wir damit
 +aber auch eine Verringerung der Besucherzahl erreichen, um das Biosphärenreservat zu
 +schützen.\\
 +
 +\\
 +Moderator:\\
 +Sie sprachen von drei Kuppeln, die über den Kern- und Pufferzonen liegen. Früher gab es
 +aber mehr dieser Bereiche, oder?\\
 +\\
 +Gast: \\
 +In der Tat. Es gab früher zahlreiche kleine Kernzonen, die im Biosphärenreservat verstreut
 +waren. Es wäre uns allerdings nicht möglich gewesen über jede einzelne Kernzone eine
 +Kuppel zu bauen. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschlossen, die drei Gebiete, die
 +die höchste Konzentration an Kerngebieten aufweisen zu ermitteln und über diese jeweils
 +eine große Kuppel zu bauen. \\
 +{{ :vertiefung:zukunftsvision:brsc_vergleich.png?direct |}}Moderator:\\
 +Sie sprachen gerade den Klimawandel an. Die Jahresmitteltemperatur ist seit dem Jahr
 +2010 um 3 Grad gestiegen. Die Sommer in Deutschland sind heiß und trocken, die Hitzeperioden
 +haben zugenommen, was sich auf die Gesundheit der Menschen auswirkt. Die Winter
 +jedoch sind mild und feucht. Außerdem muss das ganze Jahr über mit Starkregenereignissen
 +gerechnet werden. Welche Auswirkungen hat das konkret auf das Biosphärenreservat?\\
 +\\
 +{{:vertiefung:zukunftsvision:landschaft.png?direct&400 |}}Gast:\\
 +Die besonders schützenswerten Gebiete werden dank der Kuppeln ja nun glücklicherweise
 +nicht mehr beeinflusst. Doch in den Entwicklungszonen ist der Klimawandel deutlich sichtbar.
 +Damals waren die Wiesen im Sommer saftig grün, heute sind sie oft kahl und ausgetrocknet.
 +Das fehlende Wasser im Sommer, aber auch die plötzlichen Starkregenereignisse
 +haben in den letzten Jahren zu immensen Ernteverlusten in der Landwirtschaft geführt.\\
 +\\
 +{{:vertiefung:zukunftsvision:steppenlandschaft.png?direct&400 |}}Moderator:\\
 +Lassen Sie uns noch einmal auf die Besucher zurückkommen. Was wird den Besuchern geboten,
 +sollten sie bereit sein, das Geld zu zahlen? Dürfen die Kuppeln betreten werden?\\
 +\\
 +Gast:\\
 +Nein, die Kernzonen stehen unter strengstem Schutz, sie dürfen nicht betreten werden.
 +Dem Besucher wird aber ermöglicht, die Entwicklungszone zu betreten. Hier wird auch gerade
 +ein Projekt geplant, welches die Ertragsfähigkeit der Landwirtschaft steigern soll.\\
 +\\
 +Moderator:\\
 +Was ist mit Leuten, die sich die hohe Summe nicht leisten können? Wo liegt ihre Möglichkeit,
 +etwas über die Natur zu erfahren?\\
 +\\
 +Gast:\\
 +Am Rande des Biosphärenreservates wurden sogenannte Naturerfahrungszentren errichtet,
 +welche für alle kostenlos zugänglich sind. Dieses Angebot wird vor allem von Schulklassen
 +intensiv genutzt und das auch schon bevor der Eintrittspreis veranschlagt wurde. Zur Zeit
 +gibt es 5 dieser Naturerfahrungszentren, sie können aber auch weiter ausgebaut werden,
 +sollte der Bedarf steigen. Damals hingegen gab es nur ein Naturerfahrungszentrum, nämlich
 +die Blumberger Mühle, welche heute immer noch besucht werden kann.\\
 +\\
 +Moderator:\\
 +Wie setzt sich das Angebot dieser Zentren zusammen?\\
 +\\
 +Gast:\\
 +Die Zentren sind ausgestattet mit Laptops und Lernprogrammen. Kinder können sich durch
 +Quizfragen, kleinen Filmen und ähnlichem spielerisch Wissen über die Natur aneignen. Zudem
 +sind Kameras in den Kuppeln installiert, sodass rund um die Uhr eine Live-Übertragung
 +aus den Kernzonen zur Verfügung steht. Das ist praktisch, da man zwischen verschiedenen
 +Kameras hin und her schalten kann und sich so einen guten Überblick verschaffen kann.
 +Wenn man Glück hat, sieht man auch schon mal ein Reh.\\
 +\\
 +Moderator:\\
 +Halten Sie es wirklich für richtig, Kinder so von der wahren Natur fern zu halten? Erst letztes
 +Jahr ist wieder eine Studie erschienen, in der betont wird, wie wichtig der Kontakt zur
 +Natur für die geistige und auch körperliche Entwicklung ist. Kinder lernen sich und ihren
 +Körper besser einzuschätzen, wenn sie z.B. die Möglichkeit haben auf Bäume zu klettern,
 +sie sind kreativer und phantasievoller. Kinder, die hingegen in der Stadt aufwachsen haben
 +in der Schule oft Konzentrationsschwierigkeiten und sind allgemein unausgeglichener.
 +Das Ziel eines UNESCO-Biosphärenreservates ist es schließlich auch, die Natur FÜR den
 +Menschen zu erhalten. Stehen Sie damit nicht in der Pflicht, es für alle zugänglich zu machen,
 +gerade jetzt, wo Städte immer dichter und größer werden?\\
 +\\
 +Gast:\\
 +Ich bin ganz bei Ihnen, was die Kinder und den Umgang mit Natur anbelangt. Allerdings
 +sehe ich hier die Politik in der Pflicht, etwas gegen den Rückgang von erfahrbarer Natur zu
 +unternehmen, zum Beispiel indem wieder mehr Grünflächen in den Städten geschaffen
 +werden.\\
 +Wir als Biosphärenreservat verfolgen viele Ziele, nicht nur dieses eine. Unser Ziel ist es
 +zum Beispiel auch Kulturlandschaften zu erhalten. In einer Zeit in der die Ziele in Konkurrenz
 +zueinanderstehen, müssen wir nun einmal abwägen.\\
 +\\
 +Moderator:\\
 +Sie sprachen vorhin von einem Projekt, welches zur Ertragssteigerung in der Landwirtschaft
 +beitragen soll. Können Sie uns dieses Projekt näher beschreiben?\\
 +\\
 +{{:vertiefung:zukunftsvision:gruenes_haus.png?direct&400 |}}Gast:\\
 +Gerne. Das Konzept nennt sich verticle farming. Es handelt sich hierbei um eine Art Hochhauskomplex.
 +Es ist uns dadurch möglich, in verschiedenen Stockwerken unterschiedliche
 +Nahrungsmittel, wie Tomaten, Kartoffeln oder Mais anzubauen. Ursprünglich wurde das
 +Konzept für Städte entwickelt, da die Versorgung dort durch die zunehmende Verstädterung
 +immer schwieriger wird. In Metropolen wie New York und Shanghai wurde die Idee
 +auch schon umgesetzt.\\
 +Doch auch für unsere ländliche Region entstehen dadurch Vorteile. Zum einen haben wir
 +eine deutliche Ertragssteigerung auf kleinerer Fläche und zum anderen haben wir, dadurch,
 +dass das Ganze einem Gewächshaus gleicht viel mehr Einfluss auf die Beregnung, das Bodensubstrat
 +etc, wodurch Ernteschäden vermieden werden können. Langfristig gesehen
 +werden wir auch Geld sparen können, da die Bewirtschaftung und die spätere Ernte durch
 +Roboter erfolgen wird.
 +Mit dem Bau des Hochhauskomlexes soll in ca. 3 Monaten begonnen werden.\\
 +\\
 +Moderator:\\
 +Sie haben sich in den letzten Jahren immer wieder öffentlich für die Weiterentwicklung
 +von kultiviertem Fleisch eingesetzt. 2013 wurde der erste Burger aus der Petrischale präsentiert.
 +Sein Preis betrug damals noch stolze 250.000 Euro. Heute kostet er kaum mehr,
 +als Fleisch aus Massentierhaltung. Und trotzdem wird nur wenig verkauft, die gesellschaftliche
 +Akzeptanz fehlt weitgehend. Was erhoffen Sie sich von dem Fleisch aus dem Labor
 +und wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?\\
 +\\
 +Gast:\\
 +Wir setzen uns in der Tat seit Jahren für das kultivierte Fleisch ein. Die Ernährung der
 +Weltbevölkerung wird immer schwieriger. Hunger gab es auf der Welt schon immer, doch so
 +langsam droht er auch nach Europa zu kommen. Der immer noch bestehende Fleischkonsum
 +war es übrigens auch, der unsere Entscheidung für das vertical farming geprägt hat.\\
 +Die Landwirtschaft muss weiter intensiviert werden, wenn wir so viele Ressourcen an Nutztiere
 +verfüttern. Auch die Orte, an denen früher Tiere gehalten werden konnten nehmen
 +ab. Früher weideten noch Demeter-Kühe auf unseren Weiden, doch das ist durch den trockenen
 +Boden und die teils heftigen Regenschauer nicht mehr artgerecht möglich.
 +Ich hoffe deshalb sehr, dass die gesellschaftliche Akzeptanz der Bevölkerung diesbezüglich
 +zunehmen wird.\\
 +\\
 +Moderator:\\
 +Der Spiegel, spricht von der „Elite Deutschlands“ der allein der Zugang zu Biosphärenreservaten
 +ermöglicht wird. Wir hören, dass die Landwirte zunehmend durch Roboter ersetzt
 +werden.
 +Forscher befürchten, dass diese Kluft zwischen arm und reich immer größer werden wird.
 +Dass uns vor allem dadurch, dass viele Jobs in der Mittelschicht den Robotern, bzw. allgemein
 +der Künstlichen Intelligenz zum Opfer fallen werden, eine Spaltung der Gesellschaft
 +droht. Was denken Sie darüber und wo sehen Sie dabei die Aufgaben und Handlungsfelder
 +des Biosphärenreservats?\\
 +\\
 +Gast:\\
 +Es werden natürlich Jobs wegfallen, aber es werden auch wieder neue entstehen. Ich bin
 +optimistisch, dass sich das die Waage halten wird. Was uns als Biosphärenreservat angeht,
 +so bleiben unsere Aufgaben die selben wie bisher, auch wenn die Bedingungen erschwert
 +sind. Wir werden unsere Naturerfahrungszentren weiter optimieren und so einen Beitrag
 +zur Umweltbildung leisten, auch wenn wir den konkreten Zugang zur Natur zur Zeit nicht
 +gewährleisten können. Wir werden das vertical farming einführen und damit zur Versorgung
 +der Menschen beitragen. Und wir haben mit dem Bau der Kuppeln einen wichtigen
 +Schritt in die richtige Richtung gemacht, da sie uns ermöglichen das frühere Landschaftsbild
 +zu erhalten. Wir haben in der heutigen Zeit viel mit Anfeindungen zu kämpfen, aber
 +ich hoffe, dass man eines Tages verstehen wird warum wir diese teilweise radikalen Schritte
 +gehen mussten. Das wünsche ich mir für die Zukunft.\\
 +\\
 +Moderator:\\
 +Vielen Dank, dass Sie mein Gast waren. Habe mich sehr gefreut, dass ich mit Ihnen über
 +dieses interessante Thema diskutieren durfte.\\
 +\\
 +Gast:\\
 +Vielen Dank, dass ich ihr Gast sein durfte.\\
 +{{ :vertiefung:zukunftsvision:endlogo.png?direct&600 |}}