====== „DER BEITRAG VON BIOSPHÄRENRESERVATEN ZUM ERREICHEN DER NACHHALTIGKEITSZIELE“ - 13. NACHALTIGKEITSZIEL: KLIMASCHUTZ ====== N. Wolter\\ Im Jahr 2015 wurden von den Vereinten Nationen die 17 Nachhaltigkeitsziele erarbeitet (Bückmann, 2015, S. 9-11). Diese basieren auf den drei Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung: auf der so-zialen, ökologischen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit. Eine der 16 Sonderorganisationen der Ver-einten Nationen ist die UNESCO (United Nation Educational, Scientific and Cultural Organisation) (Luft & Römer, 2017). Die UNESCO stellte das erste MAB-Programm (the Man and The Biosphere) 1970 auf, welches versucht, den Menschen und die Natur in Einklang zu bringen (Kammann & Dr. Möller, 2007). Das Programm wird regelmäßig an neue Bedingungen angepasst und weiterentwi-ckelt. Es beschäftigt es sich u.a. mit dem 13. Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen: „Die Ent-wicklung und Durchführung von Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels sowie seine Aus-wirkungen“ (Bückmann, 2015, S. 109). Im aktuellsten Programm, dem Lima Aktionsplan vom März 2016, wird die Bedeutung der Biosphärenreservate (im Folgenden BR) für den Klimaschutz hervor-gehoben. In den BR sollen Lösungswege gesucht und erprobt werden, um den Klimawandel und seine Folgen abzuschwächen (UNESCO, 2017). In Deutschland gibt es insgesamt 17 BR (bmub, 2017). Dies sind Großschutzgebiete, die u.a. möglichst schonende Wirtschaftsweisen erproben und entwickeln sowie zur Forschung und Beobachtung dienen sollen (BNatSchG, 2009). Welchen Bei-trag können die BR zum Klimaschutz leisten? Um Klimaschutz zu betreiben, gibt es diverse Möglichkeiten: diese reichen vom aktiven Senken des Kohlenstoffdioxid-Haushalts über Mobilitätskonzepten bis zur Gebäudesanierung. Diese und noch weitere werden Aspekte des Kilmaschutzes werden im BR Schorfheide-Chorin umgesetzt (Schorfheide-Chorin, 2017). Es wird versucht die Pflege- und Schutzmaßnahmen in das Nutzungs-konzept zu integrieren und so die Kosten und den Energieaufwand zu minimieren. Das BR liegt im Nord-Osten von Brandenburg und ist mit fast 130.000 Hektar eines der größten in Deutschland (PEP, 1997). \\ Es ist von einer Jungmoränenlandschaft mit häufigem Vorkommen von Mooren geprägt. Diese die-nen der Akkumulation und Speicherung von Kohlenstoff und Methan. Durch das Senken des Grundwasserspiegels und das Trockenlegen vieler Moore werden gespeicherte Treibhausgase in die Atmosphäre abgegeben und tragen aktiv zum Klimawandel bei. Deshalb ist der Schutz dieser Feuchtgebiete von hoher Priorität, denn der Wiederaufbau eines Moores ist ein jahrzehntelanger Prozess (Brasseur & Jacob, 2017, S. 177-179). Eines der Leitbilder des BR Schorfheide-Chorin ist die Renaturierung und Entwicklung natürlich vorkommender Moore (PEP, 1997, S. 66). Angestrebt wird eine extensive und bodenerhaltende Nutzung der Moore (ebd., S. 68- 70). Beispielhafte Maß-nahmen sind die Verringerung der Wasserentnahme aus dem Moor sowie im Uferbereich oder die Einhaltung von Pufferzonen (ebd.: 72-205). Die wirtschaftliche Nutzung von Mooren wird weiterhin erforscht. \\ Eine andere mögliche Kohlenstoffsenke ist der Wald. Durch den Prozess der Fotosynthese wird Bi-omasse im Wald akkumuliert. Dabei entzieht der Wald der Atmosphäre Kohlenstoffdioxid und bindet es als Kohlenstoff im Holz. Durch den Verbrauch z.B. als Energieressource für Öfen sowie den na-türlichen Abbau wird der Kohlenstoff wieder freigeben. Im Vergleich zu anderen Energieträgern ist der energetische Aufwand geringer. Eine weitere Funktion des Waldes ist der durch Verdunstung sowie Wolkenbildung entstehende Kühlungseffekt (Brasseur & Jacob, 2017, S. 193-200). Im BR wird eine strukturreiche Forstwirtschaft entwickelt. Trotz wirtschaftlicher Nutzung wird versucht, die po-tenzielle natürliche Vegetation wiederherzustellen (PEP, 1997, S. 66). Ein geringer Verbrauch von Holz sowie die teilweise Belassung von Totholzstrukturen unterstützen den Klimaschutz. Es wird eine ökonomische, nachhaltige und klimafreundliche Forstwirtschaft angestrebt. \\ Ein weiteres wichtiges Betätigungsfeld des Klimaschutzes ist der Tourismus sowie die daran gekop-pelte Fortbewegung. Um Emissionen zu verringern, wird versucht, ein gut ausgebautes Netz des Öffentlichen-Personen-Nah-Verkehrs (ÖPNV) zu entwickeln. Ein langfristiges Ziel im BR Schorfhei-de-Chorin ist die Entwicklung eines aus Erneuerbaren Energien gespeisten Bussystems (Schorfheide-Chorin, 2017).\\ Neben dem ÖPNV muss auch die Infrastruktur für die individuelle umweltfreundliche Fortbewegung ausgebaut sein, damit vor Ort nicht auf klimaschädliche Fahrzeuge zurückgegriffen werden muss. Laut der Website des BR Schorfheide-Chorin arbeitet die Verwaltung an der Entwicklung eines intel-ligenten Netzwerks von Sharing- und Ladestationen für Null-Emissions-Fahrzeuge. Dies soll eine umweltfreundliche Fortbewegung im kompletten Reservat gewährleisten. Der Fokus der Planung liegt momentan auf Phase 1, der Infrastrukturentwicklung für E-Bikes (Lemme & Viohl, 2016, S. 9). Dieses System soll auf Autos und Busse ausgeweitet werden. Parallel dazu wird die dezentrale Energielieferung durch Photovoltaikanlagen untersucht. Das beschriebene Infrastrukturprojekt be-kam viel Aufmerksamkeit in den Medien aufgrund des bereits im BR etablierten Solar Explorers. Das Besondere an diesem Forschungsschiff ist, dass es ausschließlich mit Solarstrom betrieben wird (Lemme & Viohl, 2016, S. 88).\\ Darüber hinaus wird versucht, private und industrielle Regionalpartner zu finden, um der Ziele und Projekte des BR Schorfheide-Chorin zu unterstützen. Denn nur durch regionale Zusammenarbeit und Informationsaustausch können nennenswerte Fortschritte erreicht werden. Ein beispielhaftes Projekt ist die Entwicklung von Bioenergiedörfern (Schorfheide-Chorin, 2017). Diese sollen ihre Strom- sowie Wärmeversorgung aus dezentraler, nachhaltiger und umweltfreundlicher Energie be-ziehen, z.B. durch die Verwendung bereits vorhandener Wärmeenergie aus industriellen Prozessen. Dadurch kann der Aufwand von Strom- und Wärmeproduktion verringert werden. Dieses Projekt wurde aus Kostengründen auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. \\ Die „energieeffiziente Gebäudesanierung nach regionaltypischen Maßstäben“ findet dagegen große Unterstützung durch die Öffentlichkeit (Lemme & Viohl, 2016, S. 8). Durch an die Besonderheiten des Gebäudes angepasste Sanierung, kann der Wärmeverbrauch verringert werden. Beispielsweise durch die Auszeichnung „Bauherr“, erstmalig im Jahr 2013 durch eine fachkundige Jury vergeben, soll das Interesse an derartigen Projekt gesteigert werden.\\ Ein weiteres aktuelles Projekt mit dem Namen ZENAPA (Zero Emission Protection Areas) startete im Juli 2017 und wird von der EU gefördert. (IfaS, 2017). Die Mehrzahl der BR in Deutschland, darunter auch das BR Schorfheide-Chorin, beteiligen sich. Das Projekt stellt sich den Herausforderungen, Kilmaschutzziele und Naturschutzziele in Einklang zu bringen und die Projektgebieten eine Kohlen-stoffdioxid-Neutral zu gestalten. Dazu werden individuelle Maßnahmen für die jeweiligen Schutzge-biete entwickelt. Dieses Projekt hat eine Dauer von acht Jahren. Das Ziel ist es, nach Abschluss erfolgreiche Maßnahmen auf andere Gebiete zu übertragen.\\ Die Biosphärenreservate sind prädestiniert, um als Modellregion für Klimaschutzmaßnahmen zu fungieren. Bei der Übertragung von Maßnahmen auf andere Regionen müssen die gegebenen geo-morphologischen, klimatischen sowie kulturellen Bedürfnisse individuell betrachtet werden. Zudem ist die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung und Industrie unerlässlich, um das Interesse zu wecken und Verständnis zu schaffen für den Klimaschutz. Es gibt eine Vielzahl von erfolgreichen Konzepten und diese müssen auf andere Regionen übertragen werden. So forderte bereits 2011 die Dresdener Erklärung zu BR und Klimawandel „Biosphärenreservaten mehr zu beachten als Modell-region zur Abschwächung von und Anpassung an den Klimawandel“ (UNESCO, 2011).\\ ===== Literaturverzeichnis ===== bmub. (04. 12 2017). www.bmub.bund.de. Von Bundesminesterium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: https://www.bmub.bund.de/themen/natur-biologische-vielfalt-arten/naturschutz-biologische-vielfalt/gebietsschutz-und-vernetzung/nationale-naturlandschaften/biosphaerenreservate/ abgerufen\\ BNatSchG. (29. 07 2009). Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege - Bundesnaturschutzgesetz. Bundesnaturschutzgesetz vom 29. Juli 2009 (BGBl. I S. 2542), das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 15.September 2017 (BGBl. I S. 3434) geändert worden ist. Berlin, Deutschland.\\ Brasseur, G., & Jacob, D. (2017). Klimawandel in Deutschland. (S. Schuck-Zöller, Hrsg.) Hamburg: Springer Spektrum. Bückmann, W. (2015). Die Vision der UNO für die Zukunft der Welt: die 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung. Berlin: Universitätsverlag TU Berlin, 2015.\\ IfaS. (26. 11 2017). www.zenapa.eu/de. (S. U.-C. Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) Hochschule Trier, Herausgeber) Von http://zenapa.eu/de/projekt/eckdaten abgerufen\\ Kammann, E., & Dr. Möller, L. (1. Frebruar 2007). MAB - Der Mensch und die Biosphäre. UNESCO heute.\\ Lemme, J., & Viohl, F. (2016). Monitoring Bericht Regional zur Energiestrategie des Landes Brandenburg (Berichtsjahre 2013-2015). Eberswalde: Uckermark-Barnim, Regionale Planungsgemeinschaft.\\ Luft, S., & Römer, K. (01. 12 2017). Unseco. Von https://www.unesco.de/ueber-die-unesco/ueber-die-unesco.html abgerufen\\ PEP. (1997). PEP. Der Pflege- und Entwicklungsplan (Entwurf) für das Biosphärenreservate Schorfheide Chorin. Eberswalde: Landesanstalt für Großschutzgebiete im Geschäftsbereich des Ministeriums für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg.\\ Schorfheide-Chorin, B. (26. 11 2017). Von www.schorfheide-chorin-biosphaerenreservat.de Klimaschutz:http://www.schorfheide-chorin-biosphaerenreservat.de/unser-auftrag/regionalentwicklung/klimaschutz/ abgerufen\\ Schorheide-Chorin, B. (26. 11 2017). www.schorfheide-chorin-biosphaerenreservat.de. Von Siedlungs- und Infrastrukturentwicklung: http://www.schorfheide-chorin-biosphaerenreservat.de/index.php?id=1314&L=0 abgerufen UNESCO. (2017). A new Roadmap for the Man and the Biosphere (MAB) Programm and its World Network of Biosphere Reserves. Frankreich: UNESCO.\\ UNESCO, G. C. (2011). Dresdner Erklärung zu Biosphärenreservaten und Klimanwandel. Bonn: Deutsche UNESCO Komission e.V.\\