BEITRAG VON BIOSPHÄRENRESERVATEN ZUM NACHHALTIGKEITSZIEL 10 „REDUZIERTE UNGLEICHHEITEN“

M. Hau

Laut der Generalversammlung der Vereinten Nationen von 2015 können wir „die erste Generation sein, der es gelingt, Armut zu beseitigen, und gleichzeitig vielleicht die letzte Generation, die noch die Chance hat, unseren Planeten zu retten.“ (UNICEF 2015: 13). So wurde auch die sogenannte Agenda 2030 bei ebendieser Veranstaltung beschlossen. Dabei handelt es sich um 17 Ziele für eine nachhaltige und globale Entwicklung der Welt, die bis 2030 umgesetzt werden sollen (EBD.: 6). Eines dieser Ziele ist Ungleichheiten in und zwischen Staaten zu verringern, welches von immenser Bedeutung ist. Denn hier wird versucht „den wirtschaftlichen Fortschritt im Einklang mit sozialer Gerechtigkeit und im Rahmen der ökologischen Grenzen der Erde zu gestalten“ (BMZ, o.J.). Wie Biosphärenreservate einen wesentlichen Teil zu der Verwirklichung dieses Ziels beitragen, soll im Folgenden beleuchtet werden.

Das Ziel 10 „Reduzierte Ungleichheiten“ beinhaltet vor allem die Problematik der immer größer werdenden sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten innerhalb und zwischen Staaten (BMZ, o.J.). Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bezeichnet dies sogar als „eine der großen Herausforderungen unserer Zeit“ (BMZ, o.J.) und das wurde besonders deutlich durch die riesigen Flüchtlingsströme der letzten Jahre. Weiterhin werden auch Themen wie Einkommenswachstum der ärmsten Bevölkerung, Chancengleichheit, Teilhabe aller Menschen und öffentliche Entwicklungshilfe als Unterziele aufgeführt (UNICEF 2015: 22-23). Letztendlich trägt aber nur eine Minderung der Ungleichheiten dazu bei, die Wirtschaft nachhaltig wachsen zu lassen und den sozialen Zusammenhalt in einer Gesellschaft zu stärken (BMZ, o.J.).

Bereits 669 Biosphärenreservate aus 120 Staaten wurden in das Weltnetz der Biosphärenreservate aufgenommen, dies entspricht weltweit ca. 10 Millionen Quadratkilometer, eine Fläche größer als Kanada (UNESCO, 2017). Sie zeigen als Modellregionen, wie Natur- und Kulturlandschaften durch nachhaltige Nutzung erhalten werden können (EBD.). Dabei gelten die Ziele der Nachhaltigkeit für alle Staaten gleichermaßen (UNICEF, 2017). Finanziell stärkere Länder können den Modellregionen-Status einfacher erreichen und deshalb werden ärmere speziell gefördert. So unterstützt zum Beispiel das BMZ derzeit 24 Biosphärenreservate weltweit, darunter sechs in Afrika (GIZ, 2016: 52-53).
Besonders in Afrika gibt es einige der ärmsten Staaten der Welt und dementsprechend hoch sind auch wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten. Trotzdessen gibt es zahlreiche Biosphärenreservate auf dem ganzen Kontinent. Diese sind durch das Netzwerk AfriMAB (African Biosphere Reserves Network) miteinander verbunden. Ziel ist es die regionale Zusammenarbeit durch grenzüberschreitende Projekte besonders in den Bereichen Biodiversität, Naturschutz und nachhaltige Entwicklung zu fördern (UNESCO, 2017). Eine Besonderheit afrikanischer Biosphärenreservate stellt außerdem das 2015 publizierte Handbuch für das Management von Biosphärenreservaten dar. Dieses hat die Ziele, Konflikte durch partizipatives und adaptives Management besser zu bewältigen, sowie einen Standard für die Biosphärenreservatsleitung einzuführen und lokale Akteure sowie Zentral- und Provinzregierungen anzuregen und zum Mitmachen zu ermutigen (UNESCO, 2015: 14). Es wird konkret aufgezeigt, „wie Biosphärenreservate Naturschutz mit der wirtschaftlich-gesellschaftlichen Entwicklung und der Armutsbekämpfung in Einklang bringen können“ (UNESCO, o.J.). Praxisrelevant ist es insbesondere durch eigene Beiträge von 110 Experten aus nahezu allen 85 afrikanischen Biosphärenreservaten (EBD.). Ein konkretes Beispiel bietet das bereits seit 1977 bestehende Biosphärenreservat „Basse-Lobaye“, welches in der Zentralafrikanischen Republik liegt, eines der ärmsten Länder Afrikas und es zeigt deutlich welche Gegensätze hier aufeinanderprallen (UNESCO, 2011). Auf der einen Seite haben wir eine sehr instabile politische Situation, auf der anderen einen als Biosphärenreservat ausgezeichneten tropischen Regenwald mit erstaunlicher Artenvielfalt und vereinzelten Siedlungen indigener Völker. Die Nutzung innerhalb des Biosphärenreservats beläuft sich vor allem auf Landwirtschaft, Jagd und Fischerei. Besonders erforscht wird dabei das Leben der indigenen Völker im Einklang mit der Natur (EBD.).
Es gibt viele weitere extreme Ungleichgewichte in der Welt, doch das zeigt nur die Relevanz des Nachhaltigkeitsziels 10 „Reduzierte Ungleichheiten“. Obwohl Biosphärenreservate sich vergleichsweise nur über einen kleinen Teil der Erde erstrecken, so können sie doch viel bewegen. Ihr Ziel ist es Mensch und Natur näher zusammenzubringen und mit dem richtigen Management und guter Öffentlichkeitsarbeit können viele Menschen sensibilisiert werden und tragen ihr Wissen womöglich in die nächste Generation weiter. Aber auch öffentliche Entwicklungshilfe ist ein zentrales Thema, dem Beachtung geschenkt werden sollte. Denn viele Gebiete mit einer bein-druckenden Biodiversität befinden sich nun mal in Ländern mit hohen Einkommensunterschieden oder instabilen politischen Verhältnissen. Teilweise werden diese Biosphärenreservate bereits von einkommensstarken Ländern unterstützt, dieses Netzwerk sollte allerdings weiter ausgebaut werden, sodass weitere Gebiete und die dort lebenden Menschen davon profitieren können.

Literaturverzeichnis

BMZ (Hrsg.), o.J.: Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Online im Internet: http://www.bmz.de/de/ministerium/ziele/2030_agenda/index.html [Stand 04.11.2017].
BMZ (Hrsg.), o.J.: Ziel 10 - Ungleichheit innerhalb von und zwischen Staaten verringern. Online im Internet:http://www.bmz.de/de/ministerium/ziele/2030_agenda/17_ziele/ziel_010_ungleichheit/index.html [Stand 04.11.2017].
DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT (GIZ) GMBH (Hrsg.), 2016: Biosphere Reserves – inspiring action for Agenda 2030. Online im Internet: https://www.giz.de/fachexpertise/downloads/bmz2016-en-Biosphere-Reserves-for-Agenda-2030.pdf [Stand 20.11.2017].
GERMAN COMMISSION FOR UNESCO (Hrsg.), 2015: Management Manual for UNESCO Biosphere Reserves in Africa. O.V.: Bonn, 183 S.
UNESCO (Hrsg.), 2011: Basse-Lobaye. Online im Internet: http://www.unesco.org/new/en/natural-sciences/environment/ecological-sciences/biosphere-reserves/africa/central-african-republic/basse-lobaye/ [Stand 20.11.2017]. UNESCO (Hrsg.), 2017: Das Weltnetz der Biosphärenreservate. Online im Internet: http://www.unesco.de/wissenschaft/biosphaerenreservate/biosphaerenreservate-weltnetz.html [Stand 20.11.2017].
UNESCO (Hrsg.), o.J.: Handbuch für afrikanische Biosphärenreservate. Online im Internet: https://www.unesco.de/wissenschaft/biosphaerenreservate/management-manual-br-afrika.html [Stand 04.12.2017].
UNICEF (Hrsg.), 2015: Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Online im Internet: https://www.unicef.de/blueprint/servlet/blob/88698/c8afa481a4c1eb1f0b716182db98a4d5/neue-entwicklungsziele-resolution-der-un-eneralversammlung-data.pdf [Stand 20.11.2017].
UNICEF (Hrsg.), 2017: NEUE UN-ENTWICKLUNGSZIELE. Online im Internet: https://www.unicef.de/informieren/ueber-uns/unicef-international/neue-entwicklungsziele/entwicklungsziele-verstaendlich-erklaert [Stand 20.11.2017].