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Der Beitrag von Biosphärenreservaten zum Erreichen des Nachhaltigkeitsziels „Gute Gesundheitsversorgung“

L. Neuerburg

Eine gute Gesundheitsversorgung ist „Ziel, Voraussetzung und Ergebnis einer nachhaltigen Entwick-lung“ (DIE BUNDESREGIERUNG 2016: 70). So steht es in der Nachhaltigkeitsstrategie für Deutschland, dessen aktuelle Auflage in diesem Jahr (2017) veröffentlicht wurde. Nachhaltige Entwicklung findet auch eine hohe Bedeutung in der Zielsetzung von Biosphärenreservaten (BR). Sie sind Modellregion für ein einträchtiges Mit- und Nebeneinander von Mensch und Natur (UNESCO 2017) und können eine Rolle bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele spielen. Konkrete Vorschläge, wie BR Beiträ-ge zur Verwirklichung des Ziels Nummer drei „gute Gesundheitsversorgung“ leisten können, werden nachfolgend aufgeführt. Es wird sich dabei auf die Aspekte Schadstoffminimierung und Naturnähe konzentriert, welche unter Anderem in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung Beachtung finden. Das BR Schorfheide-Chorin (BRSC) in Brandenburg liefert dazu Beispiele.

1. Beitrag durch Schadstoffminimierung

Die Verringerung von Schadstoffemissionen ist eine Möglichkeit, Gesundheitsrisiken zu minimieren, denn so kann Erkrankungen wie z.B. in den Atemwegen vorgebeugt werden. Zu den Schadstoffen gehören unter anderem Schwefeldioxid (SO2), Stickoxide (NOx) und Ammoniak (NH3) (DIE BUNDES-REGIERUNG 2016), welche in diesem Text betrachtet werden. Nachweislich hat der Verkehr einen Hauptteil am Ausstoß von SO2 und NOx (ebd.). Aus diesem Grund ist die Nutzung von schadstofffreien Verkehrsmitteln ein möglicher Beitrag zur besseren Ge-sundheitsversorgung. Wie ein BR eine solche Nutzung fördern kann, zeigt das BRSC. Dort werden E-Bikes und Ladestationen bereitgestellt und das Angebot stetig ausgebaut. Auch Fahrradwege werden bei der Planung und Sanierung von Straßen zunehmend berücksichtigt (siehe historische Pflasterstraßen). Im Sektor Verkehr können zudem Fahrtwege, insbesondere Transportwege ver-kürzt werden. Anstelle von importierten Waren, welche häufig übermäßig lange Strecken zurückle-gen, sollten regionale Produkte angeboten und vorgezogen werden. So geschieht es teilweise im BRSC. Hier wurde das „Prüfzeichen Schorfheide-Chorin“ entwickelt, mit welchem regionale, nach-haltige Unternehmen ihre Produkte auszeichnen und besser vermarkten können (LFU b 2017).
Neben SO2 und NOx trägt auch ein erhöhtes NH3-Aufkommen zur Schadstoffbelastung bei. NH3 wird zum größten Teil in der Landwirtschaft, besonders in der Tierhaltung emittiert (DIE BUNDESREGIE-RUNG 2016). Folglich würde man durch eine Regulierung und Senkung von tierischen Produkten einen NH3-Abstieg erzielen. Daraus resultiert die Notwendigkeit einer Umstellung von tierischen auf pflanzliche Produkte und eine vegetarische bis vegane Ernährung. Neben der NH3-Senkung haben Vegetarismus und Veganismus weitere gesundheitliche Vorteile, wie Senkung des Cholesterinspie-gels, des Blutdrucks und des Bodymaß-Indexes (ANDREWS UNIVERSITY 2009). BR können die tier-freie Produktion in der Region fördern und Lokale dazu animieren, (mehr) vegetarische und vegane Gerichte anzubieten. Im BRSC kann der Verbrauch von vegetarischen und veganen Lebensmitteln durch die Auszeichnung mit dem „Prüfzeichen Schorfheide-Chorin“ reizvoll gemacht werden.
Das Projekt ZENAPA (Zero Emissions Nature Protected Areas), gefördert von EU-Life, gibt dem Ziel der Emissionssenkung einen Rahmen. Das BRSC beteiligt sich an dem Projekt und geht so ver-schiedene Verpflichtungen ein, eine emissionsneutrale Region zu werden (LFU c 2017).

2. Beitrag durch Naturnähe

BR als Modellregionen (s.S.1) bieten einen direkten Zugang für den Menschen zur Natur. Das Na-turerleben „ermöglich[t] vielfältige Freizeitbetätigungen und biete[t] Erholung und Naturerfahrungen, die ihrerseits zur physischen und psychischen Gesundheit beitragen“ (DIE BUNDESREGIERUNG 2016: 70). Der Einfluss von Natur auf die Gesundheit ist von hoher Bedeutung.
Unter Freizeitbetätigungen fallen Sportmöglichkeiten wie Laufen, Schwimmen und Radfahren, die vor Übergewicht schützen, die körperliche Mobilität fördern und Krankheiten entgegenwirken (DKV 2011). Neben der physischen wird auch die psychische Gesundheit gestärkt. Beim Sport werden Glückshormone ausgeschüttet und Alltagsstress wird bewältigt (ebd.). Die angesprochenen Sportar-ten können auch im BRSC getätigt werden. Dieses ist circa zur Hälfte bewaldet (LFU a 2017), wodurch sich Waldläufe und Spaziergänge im Schatten der Bäume angenehm gestalten lassen. Die rund 240 Seen im Reservat (ebd.) laden zum Schwimmen und Baden ein. Radfahren ist bedingt möglich, da hierfür insbesondere die historischen Pflasterstraßen meist weniger gut geeignet sind.
Auch Erholung ist, wie oben genannt der Gesundheit zuträglich. Als Beispiel ist die Erholung von Lärmbelästigungen im besiedelten Raum zu nennen. Nachweißlich sind Straßenlärm, Lärm von Nachbarn, Industrie-, Flug- und Schienenverkehrslärm die größten Quellen, denen Einwohner aus-gesetzt werden und welche die psychische Gesundheit einschränken können (UMWELTBUNDESAMT 2015). Durch Lärm beeinträchtigte Einwohner können in der Natur Ausgleich und Entspannung fin-den und dafür BR besuchen. Das BRSC hat durch seine Nähe zu Berlin ein weites Einzugsgebiet und kann so vielen Menschen Erholung bieten.
Nicht zu unterschätzen ist „die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft“ (BNATSCHG 2009). Abgesehen von Freizeitmöglichkeiten und dem Ausgleich zu alltäglichen Belastungen besitzt die Natur einen Eigenwert, der allein Einfluss auf die menschliche Gesundheit nehmen kann. Naturerfahrungen wie die alleinige Betrachtung von Natur stellen eine „Glücksmöglichkeit“ (BPB 2008) dar – ein weiterer, abschließender Beitrag von BR für eine gesunde Psyche und gute Gesundheitsversorgung.

3. Fazit

Gesundheit ist ein zentrales Thema, wenn es um den Menschen geht. Und es gibt viele Faktoren, die sich auf die Physis und Psyche auswirken. Entsprechend groß ist der Umfang von Beiträgen, die geleistet werden können – auch von BR. Die genannten Beispiele zur Verbesserung der Gesund-heitsversorgung beziehen sich lediglich auf die Rubriken Schadstoffminimierung und Naturnähe und decken diese nicht einmal lückenlos. So wird jedoch das Potential von BR umso deutlicher. So macht das BRSC zahlreiche Vorschläge, wie bereits Beiträge zur Gesundheitsversorgung umgesetzt werden. Und die Liste der Vorhaben und Visionen für die Zukunft scheint endlos. Letztendlich ist der Erfolg abhängig vom Einsatz der Beteiligten: der BR-Leitung, den Einwohnern in der Region und der finanziellen Unterstützung von außerhalb. Durch das Zusammenwirken Aller, ist eine Realisierbarkeit der Nachhaltigkeitsziele möglich.

Literaturverzeichnis

ANDREWS UNIVERSITY (HRSG.), 2009: POSITION OF THE AMERICAN DIETETIC ASSOCIATION: VEGETARIAN DIETS ¬– JOURNAL OF THE AMERICAN DIETETIC ASSOCIATION: 1266-1282
BNATSCHG (GESETZ ÜBER NATURSCHUTZ UND LANDSCHAFTSPFLEGE -BUNDESNATURSCHUTZGESETZ) I.D.F. VOM 29. JULI 2009, BGBL. I S. 2542. BAUGB (BAUGESETZBUCH) I.D.F. VOM 15. SEPTEMBER 2017, BGBL. I S. 3434.
DIE BUNDESREGIERUNG (HRSG.), 2016: DEUTSCHE NACHHALTIGKEITSSTRATEGIE. DRUCK- UND VERLAGSHAUS ZARBOCK GMBH & CO. KG: FRANKFURT, 256 S.
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UMWELTBUNDESAMT (HRSG.), 2015: LÄRMBELÄSTIGUNG. ONLINE IN INTERNET, URL: HTTPS://WWW.UMWELTBUNDESAMT.DE/THEMEN/VERKEHR-LAERM/LAERMWIRKUNG/LAERMBELAESTIGUNG [LETZTER STAND: 29.11.2017]
UNESCO (UNITED NATIONS EDUCATIONAL, SCIENTIFIC AND CULTURAL ORGANIZATION), DEUTSCHE UNESCO-KOMMISSION (HRSG.), 2017: BIOSPHÄRENRESERVATE - MENSCH UND BIOSPHÄRE. ONLINE IN INTER-NET, URL: HTTPS://WWW.UNESCO.DE/WISSENSCHAFT/BIOSPHAERENRESERVATE.HTML [LETZTER STAND: 28.11.2017]