Zukunftsfähige Schorfheide-Chorin

Ein Studierendenprojekt der Technischen Universität Berlin

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DER BEITRAG VON BIOSPHÄRENRESERVATEN ZUR ERREICHUNG DER SUSTAINABLE DEVELOPMENT GOALS - LEBEN IM WASSER

J. Sommer

1. Einleitung

„The concept of sustainable development does imply limits – not absolute limits but limitations imposed by the present state of technology and social organization on environmental resources and by the ability of the biosphere to absorb the effects of human activities” (KATES ET AL: 2).
Die UNESCO (United Nations Educational, Scientific und Cultural Organization) als eine von 17 rechtlich unabhängigen Sonderorganisationen der Vereinten Nationen, hat im Rahmen des The-Man-And-The-Biosphere-Programms die Ausweisung von Modellregionen für nachhaltiges Zusammenwirken von Natur und Wirtschaft ausgewiesen. Die sogenannten Biospährenreservate (im folgenden BR) bilden mittlerweile ein weltweites Netz aus 669 Schutzgebieten in 120 Staaten (UNESCO 2017). Die UNO als Dachorganisation der UNESCO hat in ihrer Überarbeitung der Millenium-Sustainable-Development-Agenda für nachhaltige Entwicklung im Jahre 2015 17 Ziele festgelegt, die bis 2030 mit 169 konkreten Handlungszielen erreicht werden sollen (VGL. UN 2015). Das 14. Ziel (Life below water) ist der Schutz und die nachhaltige Nutzung der Ozeane, Meere und mariner Ressourcen (Conserve and sustainably use the oceans, seas and marine resources, VGL. EBD.). Ziel dieser Arbeit ist es, anhand von Beispielen mariner BR zu zeigen, welchen Beitrag sie zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele leisten. Zudem werde ich Probleme und Perspektiven im Kontext BR und Nachhaltigkeit aufzeigen.

2. Problembeschreibung

Ozeane und Meere bedecken Dreiviertel der Oberfläche der Erde und stellen 99% des verfügbaren Lebensraumes dar (VGL. UN 2015). 97% des gesamten Oberfächenwassers der Erde befindet sich im marinen Raum. Er beeinflusst das Klima maßgeblich und versorgt große Teile der Weltbevölkerung mit seinen Ressourcen (VGL. EBD.). Der weltweite Bedarf an Fisch steigt, während mittlerweile „75% der weltweit kommerziell genutzten Fischbestände überfischt“ (NABU 2017) sind. Die UN erkennen, „dass soziale und ökonomische Entwicklung abhängig vom nachhaltigen Management der natürlichen Ressourcen des Planeten“ (UN GENERAL ASSEMBLY: 9) ist und kündigen an, bis 2020 den weltweiten Fischfang effektiv zu regulieren und Überfischung und „destruktive Fangpraktiken zu beenden“ (EBD.: 23) und alle Fischbestände wieder zu stabilisieren (VGL. EBD.).

3. Praxisbeispiele aus BR

Von den 16 deutschen BR stehen drei in direktem Kontext zum Nachhaltigkeitsziel „Life below water“. Das Hamburgische, das Niedersächsische und das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer. Alle sind gleichzeitig Gebiete des Nationalparks Wattenmeer und zeichnen sich durch einen überdurchschnittlich hohen Anteil von Kernzonen aus. Allein 90 % des BR Hamburgisches Wattenmeer sind Kernzone, wo rechtlich gar keine Eingriffe stattfinden dürfen (NATIONALPARK WATTENMEER 2017). Der restliche Teil besteht aus einer Pflegezone, die nachhaltige Wirtschaftsformen gestattet. Das Wattenmeer zeichnet sich insgesamt durch eine ursprüngliche Natur und historische Kulturlandschaften (an Land) aus (VGL. EBD.). Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass diese Regionen vergleichweise dünn bzw. gar nicht besiedelt sind. Im BR Hamburgisches Wattenmeer leben beispielsweise nur 40 Menschen (VGL. EBD.). Gleichzeitig sind die Zonen zwischen den Biosphärenreservaten stark durch Schiffsverkehr frequentiert. Die größten Industriehäfen Deutschlands (Hamburg, Bremen/Bremerhaven und Wilhelmshaven) sorgen für einen sehr hoch frequentierten Schiffsverkehr zwischen den Reservaten. Alleine Hamburg wurde im Jahr 2016 von über 9000 Schiffen angelaufen (PORT OF HAMBURG 2017). Die CO2-Belastung, die Schwerölverschmutzung und die dafür notwendigen Fahrrinen, die die Dynamik des Wattenmeers stören, stehen im Kontrast zu den eigentlichen Schutzzielen eines BR. Aus der Nordsee, die nur 0,2% der weltweiten Meeresfläche ausmacht, werden jährlich 5% des weltweit vermarkteten Fischs gezogen (NABU 2017). Die Fischbestände der BR in der Nordsee sind nicht in der Lage den durchschnittlichen Konsum der Deutschen - über 16 kg Fisch pro Jahr (EBD.) - zu stemmen.
Ansätze zur flächendeckenden Nachhaltigkeit finden sich z.B. in Mexiko. Mittlerweile 41 BR wurden sowohl im Landesinnern, aber auch an der pazifischen Küste einschließlich des Golfs von Kalifornien ausgewiesen. Das BR El Vizcaíno ist mit einer Größe von 2,5 Mio. ha etwa 20 Mal größer als das Bioshärenreservat Schorfheide-Chorin. Seit der Ausweisung durch die UNESCO 1993 wird die Landnutzung auf nachhaltigen Fischfang, Salzförderung und Ökotourismus beschränkt. Hinzu kommt, dass Mexiko ein Netzwerk errichtet hat, dass die enge Zusammenarbeit aller Biosphärenreservate ermöglicht und Monitoring-Maßnahmen, z.B. im Bereich Walbestände, wesentlich erleichtert. Der Schutz wertvoller Arten wird so zu einer gemeinsamen Aufgabe aller Reservate (MAB-PROGRAM: 42). Desweiteren können Erfahrungen ausgetauscht und neue Herausforderungen wie der Klimawandel gemeinsam bewältigt werden. Auch die gemeinsame Erarbeitung von Nachhaltigkeitsstrategien gehört zu den Kompetenzbereichen des Netzwerks. Die mexikanischen Bemühungen gehen sogar über nationale Zusammenarbeit hinaus. Gemeinsam mit Kanada und des USA wurde das kooperative Programm Baja to Bering (B2B) ins Leben gerufen, das sich vom mexikanischen Bundesstaat Baja California bis zur Bering-See erstreckt. Ziel des Programms sind ein einheitliches Monitoring und die gemeinsame Erarbeitung von Managementplänen für marine Schutzgebiete (EBD.: 48). Die vielfältige Zusammenarbeit beschränkt sich in Mexiko aber nicht nur auf den Artenschutz. Im Sinne der Nachhaltigkeit wurde z.B. das PANGAS-Projekt ins Leben gerufen. In das Projekt sind 15 mexikanische Fischergemeinden involviert, die für effizientere und nachhaltige Fangmethoden sensibilisiert werden und gleichzeitig das Monitoring für die wichtigsten Speisefische übernehmen. Das Programm ist seitdem gewachsen und versucht weiterhin zusätzliche Fischergemeinden zu involvieren (EBD.: 50)
Neben der abseits der Schutzgebiete stattfindenden Überfischung, birgt auch der Tourismus hohes Konfliktpotenzial für die Nachhaltigkeit. Ein Beispiel dafür ist Menorca, die nördlichste Insel der Balearen, die 1993 zum BR erklärt wurde. Das Reservat schützt in erster Linie terrestrische und nur zu einem geringen Anteil marine Lebensräume (EBD.: 14). Der S’Albufera-des-Grau-Naturpark ist zugleich die größte marine Kernzone des BR. Ingesamt beläuft sich die marine Zone des Reservates auf 5.119 ha und ist zur Regulierung der Befischung in drei Zonen unterteilt (EBD.: 24). Das wichtigste Schutzziel ist die Erhaltung des Sanitja Barrier Reef – das am besten erhaltene Riff der spanischen Küstenreigionen. Zum Schutz dieses artenreichen Lebensraumes hat die Reservats-Verwaltung ein Konzept für nachhaltigen Tourismus mit Tauch-, Schnorchel und Kajakangeboten entwickelt. Der Schutz endemischer Flora und Fauna, traditioneller Landnutzung und die Förderung von nachhaltigem Tourismus stehen im Zentrum der Bemühungen (EBD.: 26). Die wesentlichen Konflikte mit dem Schutzziel bereitet der Tourismus. Jedes Jahr besuchen alleine im August ca. 180.000 Touristen, die per Flugzeug oder Fähre kommen, die Insel (EBD.: 14) Hier steht die Befeuerung des Klimawandels im Konflikt mit der Nachhaltigkeit der marinen Ressourcen.

4. Fazit

Der Schutz und die nachhaltige Nutzung der Ozeane, Meere und der marinen Ressourcen wird in vielen BR bereits vorbildlich gelebt. Vor allem mexikanische BR zeigen, dass interdisziplinäre Zusammenarbeit beim Monitoring, nachhaltiger Fischerei und der Erstellung von Managementplänen eine Perspektive für die Erreichung des Nachhaltigkeitsziels bieten. Allerdings reicht der Maßstab, den BR bieten schlicht nicht aus, um die Zukunftsfähigkeit des Lebens im Wasser zu gewährleisten. Die BR im deutschen Wattenmeer wären nur dann nachhaltigkeitsfördernd, wenn ihre Verwaltung die wesentlichen Einflussfaktoren von außen mitbestimmen könnte. Fischbestände sind nicht an regionale Gegebenheiten gebunden und die Zukunft mariner Ökosysteme ist global zu betrachten. Seit Beginn der Industrialisierung hat die Menschheit einen Temperaturanstieg von 1,5 Grad (VGL. IPCC 2017) verursacht und die CO2-Konzentration in der Luft ist so hoch wie seit mindestens drei Millionen Jahren nicht (WRI 2017, SPIEGEL.DE 2017). Der Temperaturanstieg sorgt für weltweites Korallensterben, gleichbedeutend mit dem fortschreitenden Verschwinden der artenreichsten marinen Lebensräume, die ein Viertel der weltweiten marinen Arten beherbergen (NABU 2008). Daher ist dieses Nachhaltigkeitsziel in keiner Weise auf Arten- oder Gebietsschutz zu beschränken. Es müsste grundlegende Veränderungen im Konsumverhalten der Industriestaaten geben, dazu zählen: Meeresfrüchtekonsum, Reiseverhalten, Energieerzeugung und viele weitere.

Literaturverzeichnis

INTERGOVERNMENTAL PANEL ON CLIMATE CHANGE (HRSG.), 2017: IPCC Special Report on Global Warming of 1.5 ºC, URL: http://www.ipcc.ch/news_and_events/pr_sr1_expert_review_lam3.shtml [Stand: 01.11.2017]
KATES, R., 2016: Editorial-What Is Sustainable Development? Goals, Indicators, Values, and Practice, Environment Magazine, S. 2
MAB-PROGRAM UNESCO (HRSG.), 2013: Best Practises Of Island and Coastal Biosphere Reserves, Jeju Island, S. 14-50 NATURSCHUTZBUND, 2017: Überfischung – Raubbau in den Meeren, URL: https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/meere/fischerei/12188.html [Stand: 17.11.2017]
NATURSCHUTZBUND, 2008: Tropische Korallen im Hitzestress, URL: https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/meere/lebensraum-meer/02888.html [Stand: 02.12.2017]
PORT OF HAMBURG, HOMEPAGE, URL: https://www.hafen-hamburg.de/de/ [Stand: 17.11.2017]
SPIEGEL.DE (HRSG.), 2017: CO2-Konzentration steigt so schnell wie nie, URL: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/co2-konzentration-steigt-so-schnell-wie-nie-a-1175568.html [Stand: 24.11.2017]
United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (Hrsg.), 2017: Biosphärenreservate - Mensch und Biosphäre URL: http://www.unesco.de/wissenschaft/biosphaerenreservate.html [Stand: 24.11.2017]
UNITED NATIONS, 2015: Sustainable Development Goals, URL: http://www.un.org/sustainabledevelopment/sustainable-development-goals/
UNITED NATIONS GENERAL ASSEMBLY (HRSG.), 2015: Transforming our world: the 2030 Agenda for Sustainable Development, New York, S. 9-23
WORLD RESOURCES INSTITUTE (HRSG.), 2017: Global Carbon Pollution Reaches Highest Levels Yet, New Report Shows, URL: http://www.wri.org/blog/2017/11/global-carbon-pollution-reaches-highest-levels-yet-new-report-shows [Stand: 01.11.2017]

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