Zukunftsfähige Schorfheide-Chorin

Ein Studierendenprojekt der Technischen Universität Berlin

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Der Beitrag von Biosphärenreservaten zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele - Nachhaltigkeitsziel 9: Industrie, Innovation und Infrastruktur

T. Budde

1. Einleitung

Die Vereinten Nationen (UN) haben 2015 17 Ziele zur nachhaltigen Entwicklung (Substainable development goals) veröffentlicht. Ziel der UN ist es u.a., die extreme Armut und den Hunger in allen Nationen in den nächsten 15 Jahren zu stoppen. Dazu wurden neben den 17 Nachhaltigkeitszielen (SDGs) weitere 169 Unterziele formuliert (Walter Leal Filho 2017).
In diesem Bericht geht es um das SDG 9, Industrie, Innovation und Infrastruktur und inwieweit Biosphärenreservate zu diesem Ziel beitragen können bzw. schon beitragen.
Das Nachhaltigkeitsziel 9, Industrie, Innovation und Infrastruktur betrachtet Themen wie die ressourchenschonende und schadstoffarme industrielle Produktion, aber auch die Suche nach innovativen Antworten auf Fragen über Klimaschutz und der Energiewende durch Wissenschaft und Forschung. Zudem stellt das Ziel eine grundlegende Basis für andere SDGs, wie z.B. das Ziel 8 nachhaltiges Wirtschaftswachstum dar (Bundesregierung 2016, S.143).
In Biosphärenreservaten beschäftigt man sich mit ähnlicher Problematik, nämlich das nachhaltige Zusammenleben zwischen Mensch und Natur. Es geht nicht wie in Nationalparks vorrangig um den Schutz von Arten und Lebensräumen, sondern auch um den Erhalt von Kulturlandschaften und der nachhaltigen Ressourcennutzung (DUK 2017a).

2. SDG 9 und der Beitrag von Biosphärenreservaten zum Erreichen des Ziels

Nachfolgend werden die drei Teilbereiche Industrie, Innovation und Infrastruktur einzeln näher erläutert und aufgezeigt, inwieweit Biosphärenreservate zu dem Nachhaltigkeitsziel 9 beitragen. Vorab aber sollte der Begriff “Nachhaltigkeit“ kurz erläutert werden. Die Definition aus dem Brundtland-Bericht von 1987 ist heute die am weitesten verbreitete und anerkannte Definition von Nachhaltigkeit bzw. Nachhaltige Entwicklung und lautet: „Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die gewährt, dass künftige Generationen nicht schlechter gestellt sind, ihre Bedürfnisse zu befriedigen als gegenwärtig lebende“ (Volker Hauff 1987, zit. n. Iris Pufé 2014). Das bedeutet, Ressourcen dürfen nur soweit genutzt werden, dass die nachfolgenden Generationen nicht benachteilen werden. Außerdem soll laut UN der Zugang zu Ressourcen wie Wasser, Nahrung, Bildung und Gesundheitsversorgung auch für alle heute lebenden Menschen sichergestellt werden (Bundesregierung 2016, S.11).

2.1 Industrie

Global gesehen soll es u.a. eine erhebliche Steigerung der Beschäftigung in der Industrie geben (Bundesregierung 2016, S.143). Dazu müssen ökologische als auch soziale Aspekte stärker berücksichtigt werden, um langfristig erfolgreich und nachhaltig produzieren zu können (vgl. Frauenhofer 2015). Durch eine umweltverträgliche und schadstoffarme Industrie, sollen Naturgüter wie Wasser und Boden aber auch die menschliche Gesundheit stärker geschützt, CO2-Werte gesenkt und der Klimawandel nicht weiter begünstigt werden.
Biosphärenreservate können durch geeignete Maßnahmen wie beispielsweise regionale Gütesiegel zur Erreichung des Ziels “Nachhaltige Industrialisierung“ einen Beitrag leisten. Unternehmen die in Biosphärenreservaten produzieren wollen, müssten, um das Siegel auf ihrem Produkt tragen zu dürfen, bestimmte Kriterien (vgl. EMAS oder ISO 14001) erfüllen. Diese Kriterien sollen dazu führen, dass der Energieverbrauch und der Rohstoffeinsatz verringert und das natur- und sozialverträgliche Wirtschaften gefördert wird (LfU 2017a). Durch das Siegel erhält das Produkt eine Wertsteigerung und Konsumenten können durch den Kauf des Produktes zur Erreichung des Ziels beitragen. Ein Beispiel für ein regionales Gütesiegel ist das Prüfzeichen des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin.

2.2 Innovation

Das Unterziel 9.5 Wissenschaft und Forschung unterstützt die andere SDGs, indem es neue Lösungsansätze und Alternativen sowie innovative Strategien und Maßnahmen entwickeln kann (Bundesregierung 2016, S.144). Mit dem Ziel will die UN Risiken für Mensch und Umwelt minimieren. Dazu sollen die Ausgaben für Forschung und Wissenschaft vor allem in Entwicklungsländern weiter ausgebaut werden. Das Ziel ist es, Antworten auf Fragen zum Klima- und Ressourcenschutz, der Energiewende, dem demografischen und digitalen Wandel und vielen weiteren Fragen zu finden. Bei dem Prozess soll die Gesellschaft miteinbezogen werden (Bundesregierung 2016, S.143).
In UNESCO Biosphärenreservaten ist angewandte und umsetzungsorientierte Forschung und zum Teil Grundlagenforschung zentraler Bestandteil und zudem ein Kriterium für die Anerkennung des Titels. So heißt es in der Broschüre “Kriterien für die Anerkennung und Überprüfung von Biosphärenreservaten der UNESCO in Deutschland“: „Aufgabe der Forschung in Biosphärenreservaten ist es, neue Wege für ein partnerschaftliches Zusammenleben von Mensch und Natur zu entwickeln, zu erproben und beispielhaft umzusetzen. In Biosphärenreservaten sollen daher insbesondere – unter Beteiligung von Natur- und Geisteswissenschaftlern – interdisziplinäre Forschungsprogramme durchgeführt werden, deren Ziel es ist, Modelle für eine nachhaltige Landnutzung zu entwickeln. (UNESCO 2007)“
Ein konkretes Beispiel für den Beitrag zum Erreichen des Unterziels “Nachhaltige wissenschaftliche Forschung und Innovation“ ist das Zenapa-Projekt an dem u.a. das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin teilnimmt. Die Idee hinter dem Projekt ist es, „[…] die Energiewende in Einklang mit den verschiedensten Anforderungen des Klima-, Natur- und Artenschutzes zu bringen“ (IFAS 2017).

2.3 Infrastruktur

Das Ziel des Teilbereichs “Nachhaltige Infrastruktur“ ist es, bereits bei der Planung von technischen Infrastrukturen (z.B. Energie- und Wasserversorgung) Erfordernisse von beispielsweise Lärmschutz, Luftreinhaltung und dem Schutz der natürlichen Ressourcen zu berücksichtigen. Bei der Planung von sozialen Infrastrukturen (z.B. Bildung) soll u.a. darauf geachtet werden, dass alle Menschen national wie international gleichberechtigt am gesellschaftlichen und ökonomischen Leben teilhaben können (Bundesregierung 2016, S.143).
Das Projekt “Moderationsprozess zur Tourismusentwicklung im Biosphärenreservat“ leistet einen Beitrag zum Erreichen des Ziels “Nachhaltige Infrastruktur“ im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Um den Tourismus nachhaltiger zu gestalten und Akteure aus Privatwirtschaft, Politik und Verwaltung beim Prozess zur Tourismusentwicklung zu beteiligen, finden u.a. bis Ende 2018 sieben sogenannte Arbeitstreffen statt. Dort wird über Themen wie Servicequalität, touristische Infrastruktur, Besucherlenkungskonzepte und besondere Nutzungen diskutiert. Durch die natur- und sozialverträgliche soll der Tourismus trotz der sich regelmäßig verändernden Anforderungen an Freizeitangebote bestand haben. Für die Region ist das von zentraler Bedeutung, da der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle darstellt. Das Ziel ist es außerdem, das Biosphärenreservat als Modellregion für nachhaltigen Tourismus zu entwickeln (LfU 2017b).

3. Fazit

Wie im Kapitel 2 dargestellt, leisten Biosphärenreservate bzw. das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin einen Beitrag zum Erreichen des Nachhaltigkeitsziel 9 Industrie, Innovation und Infrastruktur. Die aufgeführten Beispiele im Kapitel 2 wie das Zenapa-Projekt oder die regionalen Gütesiegel sind nur ein kleiner Ausschnitt an Projekten und Strategien die in Biosphärenreservaten zum Erreichen des SDG 9 beitragen. Allerdings machen Biosphärenreservate in Deutschland nur ca. 3% der Gesamtfläche (ohne Meeresfläche) aus und sind häufig wirtschafts- und bevölkerungsschwache Gebiete, die bereits eine geringere Umweltbelastung vorweisen (DUK 2017b). Daher reicht es nicht aus, nur in Biosphärenreservate die Ziele der UN umzusetzen, sondern muss man dies flächendeckend tun, um das Nachhaltigkeitsziel 9 zu erreichen.
Biosphärenreservate dienen also vorrangig als Modellregionen, die aufzeigen, wie das Zusammenleben zwischen Mensch und Natur nachhaltiger gestaltet werden kann.

Literaturverzeichnis

WALTER LEAL FILHO (Hrsg.), 2017: Innovation in der Nachhaltigkeitsforschung, 1. Auflage, Springer Spektrum: Berlin, Vorwort.
BUNDESREGIERUNG (Hrsg.), 2016: Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie - Neuauflage. Online in Internet: URL: https://www.bundesregierung.de/Content/Infomaterial/BPA/Bestellservice/Deutsche_Nachhaltigkeitsstrategie_Neuauflage_2016.html?nn=437032 [Stand 12.11.2017].
DEUTSCHE UNESCO-KOMMISSION (DUK)a: Ziele der Biosphärenreservate. Online in Internet: URL: https://www.unesco.de/wissenschaft/biosphaerenreservate/biosphaerenreservate-uebersicht/br-ziele.html [Stand 12.11.2017].
DEUTSCHE UNESCO-KOMMISSION (DUK)b: Die 16 deutschen Biosphärenreservate. Online in Internet: URL: https://www.unesco.de/wissenschaft/biosphaerenreservate/biosphaerenreservate-uebersicht/br-ziele.html [Stand 20.11.2017].
IRIS PUFÉ, 2014: Was ist Nachhaltigkeit? Dimensionen und Chancen. Online in Internet: URL: http://www.bpb.de/apuz/188663/was-ist-nachhaltigkeit-dimensionen-und-chancen?p=0: [Stand 18.11.2017].
VOLKER HAUFF (Hrsg.): Unsere gemeinsame Zukunft. Der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung: Greven 1987, S. 46.
FRAUENHOFER INSTITUT (Hrsg.): NACHHALTIGKEITSBERICHT 2015 - DRUCKVERSION KAPITEL »UNSER BEITRAG ZU DEN SUSTAINABLE DEVELOPMENT GOALS DER UN«. Online in Internet: URL: https://www.fraunhofer.de/content/dam/zv/de/ueber-fraunhofer/Nachhaltigkeitsbericht-2015/PDFs/UN-Sustainable-Development-Goals.pdf [Stand 18.11.2017].
LANDESAMT FÜR UMWELT (LfU) (Hrsg.) a: Prüfzeichen des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin. Online in Internet: URL: http://www.schorfheide-chorin-biosphaerenreservat.de/hier-leben/pruefzeichen-des-biosphaerenreservates/ [Stand 19.11.2017].
LANDESAMT FÜR UMWELT (LfU) (Hrsg.) b: Moderationsprozess zur Tourismusentwicklung im Biosphärenreservat. Online in Internet: URL: http://www.schorfheide-chorin-biosphaerenreservat.de/index.php?id=1743&L=0 [Stand 20.11.2017].
DEUTSCHES NATIONALKOMITEE FÜR DAS UNESCO-PROGRAMM (Hrsg.): Kriterien für die Anerkennung und Überprüfung von Biosphärenreservaten der UNESCO in Deutschland. Bonn: 2007. Online in Internet: URL: https://www.unesco.de/fileadmin/medien/Dokumente/Bibliothek/BroschKriterienendfass31.10.07.pdf [Stand 19.11.2017].
INSTITUT FÜR ANGEWANDTES STOFFSTROMMANAGEMENT (IFAS), 2017: ZENAPA – Projekt - Eckdaten. Online in Internet: URL: http://zenapa.eu/de/projekt/eckdaten [Stand: 20.11.2017].
EMAS und ISO 14001: http://www.emas.de/fileadmin/user_upload/06_service/PDF-Dateien/Mit-EMAS-Mehrwert-schaffen_Vergleich-ISO14001.pdf [Stand 19.11.2017].

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